Nekrophilie

Vampirismus darf nicht mit Nekrophilie verwechselt werden, es gibt aber Menschen, die an beidem leiden (»Lebende Vampire«). 

»Reine« Nekrophile verspüren beim Umgang mit Leichen sexuelle Erregung, Nekrosadisten verstümmeln diese oder verzehren sie sogar teilweise - die Ghoule lassen grüßen. Das Motiv hat übrigens nicht nur Eingang in die Wave-Music (z. B. Lacrimosa) und Horrorliteratur gefunden (nicht erst seit Lovecraft), sondern auch in die »seriöse Literatur«:
»Mein süßes Lieb, wenn du im Grab,
im dunklen Grab wirst liegen,
dann will ich steigen zu dir hinab,
und will mich an dich schmiegen.
Ich küsse, umschlinge und presse dich wild,
du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild,
ich werde selber zur Leiche.
Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft,
sie tanzen im luftigen Schwarme;
wir beide liegen in der Gruft,
ich liege in deinem Arme.
Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts
ruft sie zu Qual und Vergnügen;
wir beide bekümmern uns um nichtsund bleiben umschlungen liegen.«

Heinrich Heine, Buch der Lieder (1821)


Überblick über abendländische »Nekrophile« in historischer Zeit:

Kirchschlager, Michael: Mörder, Räuber, Menschenfresser. Einhundert Biografien deutscher Verbrecher des 15. bis 18. Jahrhunderts – Leipzig 2005

Kirchschlager, Michael: Historische Serienmörder. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Mit Beiträgen von Mark Benecke und Stephan Harbort – Leipzig 2007